In diesem Artikel möchte ich gerne aufzeigen, auf welche Kriterien ich bei einem Aktienkauf (nur Aktien, nicht ETFs oder Fonds) in mein Dividenden-Depot (nicht mein Wachstums-Depot) achte.
Vielleicht kann ich dem einen oder anderen Leser einen Denkanstoß in der eigenen Anlagestrategie geben.
Grundsätzlich kaufe ich Dividenden-Aktien mit dem Gedanken sie nie wieder zu verkaufen.
Ich beabsichtige über viele Jahre bis Jahrzehnte mit meinem eingesetzten Kapital regelmäßige Einnahmen in Form von Dividenden zu erzielen bzw. eine angemessene Verzinsung meines Kapitals zu gewährleisten.
Ich bezeichne die Dividenden aus Aktien auch gerne als das passive Einkommen. Denn Dividenden können ein superschöner Nebenverdienst sein und das Beste daran ist, dass i.d.R. das eingesetzte Kapital dabei nicht berührt wird.
Solange das Unternehmen angemessen wirtschaftet, ist sogar eine Vermehrung des Kapitals möglich. Wobei das Risiko eines Verlustes ja sogar eines Totalverlustes der Einlage, natürlich nicht unterschätzt werden sollte.
Ich kaufe entweder solide Unternehmen die regelmäßig Dividenden ausschütten oder ausschüttende ETFs/Fonds, welche bestenfalls ihre Strategie auf Dividenden spezialisiert haben.
Thesaurierende ETFs/Fonds möchte ich nicht in meinem Dividenden-Depot haben. Die Dividenden/Ausschüttungen sollen direkt meinem Girokonto gutgeschrieben werden. Nach dem Motto: "Nur Bares ist Wahres".
Nebenbei, falls ich die Dividenden nicht anderweitig ausgeben sollte, kann ich durch das Reinvestieren und das Ausnutzen des Zinseszinseffektes aktiv Vermögensaufbau betreiben.
Bewertung der Unternehmen (Kennzahlen)
Im besten Fall soll ein solides Unternehmen an der Börse unterbewertet gekauft werden. Wird ein Unternehmen nämlich überbewertet gekauft, so ist die Wahrscheinlichkeit höher mit Verlusten rechnen zu können. Mit Verlusten in Form von Kursverfall und der darauf sinkenden Dividenden.
Zur Bewertung der Unternehmen ziehe ich bestimmte Kennzahlen, wie z.B. KGV, KBV, KCV, Cash-Flow, Eigenkapitalquote, Volatilität, Dividendenrendite etc. heran.
Die wichtigsten Kennzahlen sollten miteinander im Einklang sein. So wird eine Dividendenaktie mit einem KGV bis 14 und mit einem KBV von unter 1 als günstig angesehen.
Das muss jedoch nicht so sein. Das sind alles reine Annahmen und Hilfestellungen.
Nur zur Info: Wachstumswerte können nach anderen Kriterien beurteilt werden. So gilt ein KGV über 30 als relativ hoch. Bei aussichtsreichen Zukunftsaussichten des Unternehmens jedoch, kann das hohe KGV keine große Rolle spielen, siehe Shoprite, Stratasys oder 3D Systems.
Exkurs: KGV und Dividendenrendite
Vereinfacht gesagt gibt das KGV an, wie viele Jahre es dauert, bis das Unternehmen den Wert seiner Aktien als Gewinn erwirtschaftet hat. Ein KGV von 10 sagt also aus, dass es 10 Jahre dauert bis die Investition sich amortisiert hat.
Entweder durch die ausschüttenden Dividenden oder durch das aufrechnen der Gewinne auf den Aktienkurs. Üblicherweise schütten Wachstumsunternehmen keine Dividenden aus. Die Dividenden werden für etwaige Investitionen verwendet.
Solides Geschäftsmodell (Substanz)
Die Finanzkrise hat deutlich gezeigt, dass auch zuvor scheinbar unzerbrechliche Banken nicht vor Pleiten bewahrt sind. Auch Versicherer, solange diese nicht systemrelevant sind, können schneller als man denkt einen Untergang erleben.
So versuche ich bei Dividenden-Investments auf eine gewisse Substanz zu achten.
Meine Dividenden-Fetische sind vor allem Öl, Pharma, Energie, Immobilien und Software.
Zukunftsaussichten der Unternehmen (Visionen)
Wie wird das Unternehmen in Zukunft arbeiten? Welche Produkte wird es verkaufen und welche Bedürfnisse wird es abdecken?
Wird das Unternehmen überhaupt noch in 20 oder 30 Jahren am Markt bestehen?
Natürlich kann diese Fragen niemand beantworten. Star-Unternehmen können ganz schnell von der Bildfläche verschwinden. Beispiele dafür gibt es mehr als genug.
Doch sollte man wenigstens in der Vorstellung dem einfachen Gedanken nachgehen, wie es wohl in Zukunft werden könnte? Visionär spielen wäre hier nicht ganz so verkehrt!
Persönlich achte ich auch darauf, wem das Unternehmen gehört? Ist es überwiegend in Streubesitz oder hält ein Konzern eine Hohe Anzahl an Anteilen?
Identifikation mit dem Unternehmen (1+1=5)
Eine schöne Uhr oder ein schickes Auto sucht sich jemand nach seinem eigenen Geschmack aus.
Genauso handhabe ich das auch bei meiner Aktienauswahl. Wie oben im Text bereits erwähnt, möchte ich meine Dividenden-Aktien über Jahrzehnte im Depot halten.
So wäre es nicht verkehrt diese Aktien und Unternehmen auch zu mögen. Ja sogar richtig zu lieben und begeistert von ihnen zu sein. Begeistert von der Geschäftsidee, von der Unternehmenspolitik, von dem Unternehmenserfolg, der Unternehmenskommunikation etc.
Es mag naiv und unökonomisch klingen, allerdings würde ich mich weigern bestimmte Unternehmen in mein Dividenden-Depot zu nehmen, obwohl diese ein sehr solides Geschäftsmodel haben und regelmäßig hohe Dividenden ausschütten.
So wären Tabakunternehmen in meinem Dividenden-Depot eher fehl am Platz. Nicht weil ich hier Stimmung gegen Tabakkonsum machen möchte, sondern ganz einfach weil ich persönlich mit Tabak und Zigaretten nicht viel anfangen kann.
Für die reinen Renditejäger und Kennzahlenaffinen klingt das jetzt wahrscheinlich mehr als irrational!
Allerdings: "Mein Geld! Mein Depot! Und ganz besonders mein alleiniges Risiko!" :-D